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Schadet Youtube der Musikpiraterie?

Seit Jahren beschweren sich die Vertreter der Musikindustrie und Plattenlabel darüber, dass sie nicht mit illegalen und/oder kostenlosen Angeboten konkurrieren können. Mittlerweile belehren sie Youtube und andere Videoportale eines besseren. Mit milliardenfach angesehenen Musikvideos verdienen Musiklabels inzwischen hohe Summen, ohne dass der Nutzer auch nur einen Cent für das Konsumieren der Inhalte bezahlen muss.

Die Musikindustrie hat in den letzten Jahren viele Veränderungen durchmachen müssen, auch wenn man die Piraterie außen vor lässt. Das Konsumverhalten hat sich in nur einem Jahrzehnt um 180 Grad gewendet und ist mit der MP3-Revoultion schnelllebiger denn je.

Nach dem Musikliebhaber seit ein paar Jahren vorwiegend einzelne Lieder als MP3 statt ganze Alben kaufen, zeichnet sich ein neuer Trend ab, der einen viel größeren Einfluss auf die Musikindustrie haben könnte. Vor 5 – 6 Jahren hatten Musikfans, die nicht für Ihre Musik bezahlen wollten nur eine Option. Illegal downloaden. Heute gibt es eine breite Palette an legalen Optionen, wie Musik über das Internet konsumiert werden kann. Das meist genutzte Medium für Musikliebhaber ist derzeit das Videoportal Youtube.

Youtube Nutzer die Videos hochladen, werden ab einer bestimmten Anzahl von Aufrufen an den Einnahmen durch eingeblendete Werbung beteiligt und erhalten so Zahlungen von Google, deren Höhe abhängig von der Beliebtheit der eingestellten Videos ist.

Sind Plattenfirmen mit diesen Einnahmen zufrieden?

Einnahmen die aus Videoeinblendungen bei Youtube und anderen Videoportalen resultieren, sind für Künstler und Labels zu einer ernstzunehmenden Einnahmequelle geworden. Die meisten der Plattenfirmen reden allerdings nicht besonders offen über die Verdienstanteile, die sie von Youtube erhalten. Der Finanzvorstand von EMI Music Paul Kahn sagt, dass bereits ein halber Cent je Videoaufruf an den Rechteinhaber ausgeschüttet wird.

Wenn man den Künstler David Guetta näher betrachtet, welcher einer der Top-Künstler von EMI ist, sieht man, dass seine Videos während der letzten 12 Monate ca. 308.000.000 Mal angesehen wurden. Das würde bedeuten, dass Google alleine in Bezug auf diesen Künstler $1.540.000 an EMI Music ausgeschüttet hat. Zum Vergleich müssten Guetta und EMI mehr als 2 Millionen Singles verkaufen, um den selben Betrag umzusetzen.

Im letzten Bericht der Musikindustriegruppe IFPI heißt es, dass alle großen Plattenfirmen zusammen zum Ende des letzten Jahres 1,7 Milliarden US-Dollar Videoaufrufe verzeichnen können. Universial Music verdreifachte seine Zahl an monatlichen Videoaufrufen von 2,3 Milliarden im Mai letzen Jahres auf 7 Milliarden US-Dollar im gleichen Monat 2011.

Youtube bremst Musik Piraterie

Zu einem gewissen Teil ist Youtube also auch für den Rückgang von Musikpiraterie verantwortlich, da durch die Verfügbarkeit fast aller Musikvideos kein Bedarf mehr besteht MP3s aufwändig über Torrents oder andere Filesharingsysteme herunterzuladen. Dies bedeutet aber auch nicht, dass Torrentseiten fast vollkommen verschwunden sind. Jedoch haben viele Menschen mit einem ausgeprägten Rechtsbewusstsein erkannt, dass Youtube eine hervorragende Alternative zur Urheberrechtsverletzung darstellt.

Wenn auch die vielen Videoaufrufe die illegalen Downloads etwas eindämmt, muss man sich auf der anderen Seite fragen, ob die Verkäufe von CDs und legalen Downloads über iTunes und ähnliche Anbieter auch betroffen sind und die Nachfrage zurückgeht. Eine Frage, die nach wie vor unbeantwortet bleibt muss heißen, ob die Verdienste durch Werbeeinblendungen bei Youtube die Umsatzausfälle bei CD-Verkäufen und legalen Downloads ausgleichen können. Eine Frage die sicherlich erst in ein paar Jahren beantwortet werden kann.

Eins ist jedoch sicher. Plattenfirmen atmen etwas auf, da sich durch Werbeeinnahmen immer noch mehr verdienen lässt, als wenn Lieder über Filesharing, wie Torrents und Emule heruntergeladen werden, wo der Rechteinhaber keine Chance hat, an der Verbreitung der Musik mitzuverdienen.

…via TorrentFreak

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